Das Wichtigste im Überblick
- Fanal, ausgesprochen fah-NAHL, ist eine hoch gelegene Lichtung in Madeiras uraltem Laurisilva-Wald, wo knorrige Til-Bäume, die durch Jahrhunderte des Winds geformt wurden, aus nebelverhangenem Heideland aufragen.
- Der Laurisilva-Wald rund um Fanal reicht 20 Millionen Jahre zurück. Damit sind diese verdrehten Bäume Überreste eines prähistorischen europäischen Waldgebiets, das überall sonst auf dem Kontinent verschwunden ist.
- Laurisilva erhielt den UNESCO-Welterbestatus als lebendiges Relikt eines gemäßigten Waldes aus dem Tertiär und bewahrt endemische Pflanzen- und Vogelarten, die nirgendwo sonst auf der Erde vorkommen.
- Fanal liegt hoch genug, um ganzjährig Passatwinde abzufangen. Diese hüllen den Wald fast täglich in Wolken und schaffen die ätherischen Bedingungen, die Fotografen aus aller Welt anziehen.
- Diese ganztägige 4WD-Tour führt Sie durch den Fanal Forest und den Laurisilva-Wald sowie zu den Vulkanbecken von Porto Moniz, schwarzen Sandstränden und dem Cabo Girão Skywalk. Mittagessen ist inbegriffen.
Die gedrehten Til-Bäume: Uralte Überlebende der Vulkaninsel
Im Herzen von Fanal auf Madeira stehen Til-Bäume, deren Stämme durch Jahrhunderte von Passatwinden knorrig und spiralförmig gedreht wurden. Diese verholzten Sträucher, die auf den Canary Islands und Madeira heimisch sind, können 500 Jahre oder länger leben. Ihre Jahresringe dokumentieren überstandene Stürme und durchlebte Jahreszeiten. Die ältesten im Wald von Fanal sichtbaren Exemplare sind über 300 Jahre alt und damit älter als die europäischen Siedlungen, die sie heute umgeben. Ihre gedrehten Formen sind keine Missbildung, sondern Anpassung: Der ständige Winddruck aus Nordosten verändert ihre Holzmaserung und zwingt das Wachstum in helikale Muster, die ihnen strukturelle Stabilität gegen die Sturmböen verleihen, die über die Hochebene fegen.
Bemerkenswert an diesen Bäumen ist nicht nur ihre Langlebigkeit, sondern auch ihre Rolle als tragende Pflanzen in einem Ökosystem, das sonst nirgends auf der Erde existiert. Das dichte, wachsartige Laub der Til-Bäume fängt die Feuchtigkeit des Nebels auf, der den Wald neun Monate im Jahr bedeckt, und leitet das Wasser in den Boden sowie zur flach wurzelnden Vegetation darunter. Ohne sie würde der Wald innerhalb einer Generation austrocknen und zusammenbrechen. Besucher, die zwischen ihnen umhergehen, berühren oft die Rinde, angezogen vom sichtbaren Zeugnis von Wind und Zeit, das in jeder Biegung eingeschrieben ist.
Laurisilva: Europas prähistorischer, in der Zeit gefangener Wald
Laurisilva ist ein subtropischer Lorbeerwald, eine Pflanzengemeinschaft, die während des wärmeren Miozäns vor 20 Millionen Jahren Südeuropa prägte. Als sich die Eisschilde während aufeinanderfolgender Eiszeiten über den Kontinent ausbreiteten, verschwanden diese Wälder überall bis auf drei Rückzugsgebiete: die Azoren, die Kanarischen Inseln und Madeira. Hier milderte der Atlantische Ozean das Klima und hielt die Temperaturen hoch genug sowie die Feuchtigkeit ausreichend, damit der uralte Wald überleben konnte, während all seine europäischen Verwandten erfroren und ausstarben. Der Wald von Fanal ist somit ein direkter Nachfahre eines Bioms, das seit 2 Millionen Jahren nirgendwo sonst in Europa existiert.
1999 erkannte die UNESCO Laurisilva als Welterbestätte an und stellte auf Madeira mehr als 15,000 Hektar unter Schutz. Die Auszeichnung würdigt den Wald als lebendiges Labor der Paläoökologie und genetisches Reservoir von Pflanzen, die auf dem europäischen Festland verschwunden sind. Die hier wachsenden Arten haben sich seit dem Pliozän kaum verändert, ihre Evolutionsgeschichte lässt sich an Blattform und Blütezeit ablesen. Für Botaniker und Naturfreunde bedeutet ein Besuch in Fanal, durch die geologische Zeit zurückzureisen und eine Welt zu berühren, die sonst nur in fossilem Pollen und Bernstein existiert.
Ein uralter Til-Baum ragt aus dem Nebel von Fanal auf, wo das prähistorische Licht von Laurisilva Fotografen aus aller Welt anzieht.
Warum der Nebel niemals weicht: Die Kraft der Passatwinde
Fanal liegt auf 1,575 Metern Höhe auf dem Plateau Paul da Serra, direkt in der Bahn der nordöstlichen Passatwinde, die das ganze Jahr über den Atlantik wehen. Treffen diese feuchtigkeitsreichen Winde auf das hohe Gelände, steigt die Luft auf, kühlt ab und kann ihren Wasserdampf nicht mehr halten. Das Ergebnis ist orografischer Nebel, ein beständiger Dunst, der den Wald von November bis Juli umhüllt und im Sommer episodenweise zurückkehrt. Es handelt sich nicht um Regen, der fällt und abfließt, sondern um Wolken, die durch die Bäume ziehen und auf jeder Oberfläche Wasser ablagern. An einem einzigen Tag können im Wald 2,000 Liter Nebelniederschlag pro Hektar entstehen, was mehreren Wochen herkömmlichen Niederschlags im tiefer gelegenen Land entspricht.
Der Nebel ist die Lebensader und das prägende Merkmal des Waldes. Er bleicht die Luft aus, bis die Sicht auf wenige Meter schrumpft, und schafft eine unheimliche, kathedralenartige Stille, die nur vom Tropfen des Wassers von den Blättern und den Rufen unsichtbarer Vögel unterbrochen wird. Diese ständige Feuchtigkeit verhindert Trockenstress, lässt den Wald in großer Höhe gedeihen, wo er sonst zu ungeschützt wäre, und speist den darunterliegenden Teich von Fanal auf direkte und indirekte Weise.
Endemische Flora und Fauna: Arten, die nur hier entstanden sind
Der Laurisilva-Wald beherbergt 66 Pflanzenarten, die weltweit nirgendwo sonst vorkommen, viele von ihnen ausschließlich auf Madeira. Die Madeira-Orchidee, die Madeira-Stechpalme und das endemische Heidekraut der Insel blühen unter dem nebelverhangenen Blätterdach. Ihre Blüten werden von Insekten und kleinen Vögeln bestäubt, die ihrerseits einzigartig im Archipel sind. Die Weißschwanz-Lorbeertaube nistet im Hochwald, ihre leisen Rufe hallen durch den Nebel. Sie kommt nur hier und auf den nahe gelegenen Azoren vor. Das Madeira-Goldhähnchen, ein winziger Singvogel mit goldenem Scheitel, jagt zwischen den flechtenbedeckten Ästen nach Insekten und ist in freier Wildbahn außer in diesem Wald und einer Handvoll weiterer Enklaven auf Madeira nirgendwo auf der Erde zu finden.
Diese Arten sind keine Neuankömmlinge. Ihr Endemismus spiegelt Millionen Jahre isolierter Evolution auf einer weit vom europäischen Festland entfernten Insel wider. DNA-Analysen zeigen, dass sich viele Laurisilva-Pflanzen vor 5 Millionen Jahren von ihren nächsten europäischen Verwandten abspalteten - genug Zeit für Artbildung und die Anhäufung morphologischer Unterschiede. Der Wald wirkt daher wie eine Arche der Evolutionszeit und bewahrt Arten, deren Entwicklungslinien sich noch vor der letzten Eiszeit, vor dem ersten menschlichen Fußtritt in Europa und vor der Entstehung der heutigen Kontinentalformen trennten.
Die Weideherden: Rinder und die Kulturlandschaft
Fanal en Madeira wirkt wild, doch zwischen den uralten Bäumen grasen Kühe. Ihre Anwesenheit erinnert daran, dass dies keine unberührte Wildnis, sondern eine seit Jahrhunderten durch menschliche Tätigkeit geprägte und bewirtschaftete Landschaft ist. Jeden Sommer treiben Hirten die Rinder auf das Hochplateau, wenn sich der Nebel lichtet und das Gras wächst. Bevor Winterstürme das Gelände unpassierbar machen, kehren sie mit ihnen auf tiefer gelegene Weiden zurück. Die Tiere sind robust, an Kälte und Nebel gewöhnt, und ihr Weiden verhindert, dass der Unterwuchs undurchdringlich dicht wird. In gewisser Weise tragen sie zum Schutz des Waldes bei: Ihre Hufspuren und ihr Appetit sorgen für jene Störung, die das Ökosystem in einem Zustand erhält, den Menschen schätzen und schützen gelernt haben.
Dieses Nebeneinander zeigt sich als Mosaik in der Landschaft: offene, bis zum Boden abgeweidete Grasflächen, Bestände aus altem Wald, die für die Tiere zu dicht und zu verwachsen sind, sowie junge nachwachsende Gehölze, in die das Vieh noch nicht vorgedrungen ist. Der Anblick schwarzbrauner Rinder, die reglos, halb sichtbar und geheimnisvoll im Nebel stehen, ist so ikonisch geworden, dass Fotografen gezielt dafür Position beziehen.
Der Teich von Fanal: Ein Spiegel, der erscheint und verschwindet
Nahe dem Zentrum des Waldes liegt der Teich von Fanal, ein flaches Becken, das sich saisonal mit Wasser aus dem Nebelniederschlag und kleinen Bächen füllt, die vom Plateau herabfließen. Im Winter und frühen Frühling, wenn der Nebel am dichtesten und die Verdunstung am geringsten ist, verwandelt sich der Teich in einen dunklen Spiegel, der den Dunst und die ihn umgebenden knorrigen Til-Bäume reflektiert. Gegen Ende des Sommers, wenn die Passatwinde schwächer werden und der Nebel nur noch sporadisch auftritt, sinkt der Wasserstand. Im Herbst kann das Wasser vollständig verschwinden und nur feuchtes Gras sowie eine flache Senke im Boden zurücklassen. Dieser Rhythmus ist natürlich und wird vom saisonalen Rückzug des Passatwindsystems geprägt, doch für Reisende macht er den Teich zugleich verlässlich und unvorhersehbar.
Das Wasser des Teichs versorgt Vögel, Insekten und Amphibien während der Trockenzeit und schafft einen Anziehungspunkt für Wildtiere, die sich verteilen, sobald auf dem gesamten Plateau reichlich Wasser vorhanden ist. Zugleich ist es ein Ort der Stille und Besinnung, weit genug von der Straße entfernt, dass sich nur wenige Besucher dorthin wagen, und in Nebel gehüllt, der dicht genug ist, um Geräusche zu dämpfen und Beobachter von der weiteren Landschaft abzuschirmen.
Warum Fotografen hierher reisen: Licht, Nebel und Mythos
Der Fanal Forest ist zu einem Ziel für Fotografen aus aller Welt geworden, die von Bedingungen angezogen werden, die es nirgendwo sonst gibt: einer Landschaft von sichtbarem Alter, einer Flora, die an keinem anderen Ort existiert, und einer Lichtstimmung, die sich nahezu unmöglich nachbilden lässt. Der Nebel zerstreut das Sonnenlicht zu einem weichen, schattenlosen Leuchten, das den ganzen Tag anhält. Die verdrehten Bäume erscheinen als Silhouetten, der Nebel selbst als leuchtende Substanz. Das goldene Licht bei Sonnenuntergang, wenn sich die Passatwolken gelegentlich öffnen, schafft Szenen von ätherischer Schönheit, die unwirklich erscheinen, weil sie es tatsächlich sind: ein 20 Millionen Jahre alter, im Bernstein bewahrter Wald, der für den Bruchteil einer Sekunde sichtbar wird, bevor der Nebel wieder hereinzieht.
Über seine visuelle Anziehungskraft hinaus besitzt der Wald eine Bedeutung, die ernsthafte Naturkundler anzieht. Wer als Fotograf oder Naturforscher in Fanal en Madeira steht, weiß, dass er ein lebendiges Stück des Miozäns dokumentiert: einen Wald, der Eiszeiten und menschliche Ausbreitung überdauert hat, einen Ort, an dem die Evolution in Isolation ihre eigene Geschichte schrieb. Dieses Wissen verleiht dem Beobachten etwas Ehrfürchtiges, und die daraus entstehenden Fotografien tragen dieses Gefühl in sich. Der Nebel, das Alter, das endemische Leben, die Kühe, die wie Geister durch die Bäume ziehen: Diese Elemente verbinden sich zu einer Landschaft, die weniger wie ein Reiseziel als wie eine Schwelle in die tiefe Vergangenheit wirkt.
